Schluckstörung

Der Schluckakt

Als Schluckstörung (Dysphagie) wird eine Störung des Schluckaktes bei der Nahrungsaufnahme oder beim Schlucken des eigenen Speichels bezeichnet. Sie tritt auf, wenn eine der am Schluckakt beteiligten Strukturen in ihrer Funktion bzw. deren Zusammenwirken beeinträchtigt ist. Die Dysphagie ist eine schmerzlose Schluckstörung.

Der Schluckakt verläuft im Normalfall weitestgehend reflexgesteuert. In der Mundhöhle wird zunächst die Nahrung zerkleinert und durch Vermischen mit Speichel gleitfähig gemacht. Anschließend erfolgt die Speisenbeförderung über die Hinterzunge in den Rachenraum. Bis hierhin kann der Schluckvorgang noch willentlich unterbrochen werden. Die Berührung mit den Gaumenbögen löst dann den eigentlichen Schluckreflex aus. Die Hauptvoraussetzung für einen ungestörten Schluckablauf ist der einwandfreie Abschluss der Atemwege, die sich mit den Speisewegen im Rachen kreuzen. Das Gaumensegel verschließt den Nasenraum von hinten und der Kehlkopfdeckel den Kehlkopfeingang und damit die Luftröhre. Auch eine Funktion des Kehlkopfdeckels liegt darin, die Luftröhre vor Speisestücken zu schützen, indem beim Schluckakt der Kehlkopf nach vorn gezogen wird.

Bestimmte Nerven geben dem Gehirn Rückmeldung z.B. über Geschmack und Geruch der Nahrung, Informationen über die Beschaffenheit der Speise, die auf der Zunge liegt (...muss erst gekaut werden oder kann ich sofort schlucken...) oder z.B. auch darüber, ob sich in den Wangentaschen noch Reste vom Schokoladenkeks befinden.

Bei NF2 treten Schluckstörungen in der Regel nach Entfernung eines Vestibularisschwannnomes häufig auf. Der n.glossopharyngeus nämlich innerviert die Zunge und den Rachenraum. Eine Schädigung des Nervus glossopharyngeus oder eine Lähmung des n. recurrens führt zu einer Lähmung der Schlundkopfmuskeln und damit zu Schluckstörungen. Schluckstörungen können aber auch psychische Ursachen haben, die man v.a. bei jungen Patienten mit wechselnden Beschwerden annehmen kann. Wenn der Patient meint, "nicht alles schlucken" (sich nicht alles gefallen lassen) zu können, zwingt dies zur Abklärung der weiteren Lebensumstände.

Symptome einer Schluckstörung sind Druckgefühl im Hals, Würgen während des Schluckaktes bzw. Hochwürgen bereits geschluckter Nahrung oder Husten während einer Mahlzeit. Die Atemwege sind bei den Patienten oft schlecht geschützt so dass es während einer Mahlzeit auch zum Übertritt von Nahrung/Flüssigkeit in die Atemwege kommen kann. Die Folge dieser Aspiration können akute und wiederkehrende Lungenentzündungen (Aspirationspneumonie) sowie Fieber sein. Diese Art der Pneunomie ist z.B. bei Schlaganfallpatienten für 20 % der Todesfälle verantwortlich.

Folgen

Je nachdem welche Schluckphase betroffen ist, kann es auch zu ganz spezifischen Problemen kommen: Die Nahrungsaufnahme ist erschwert bis nicht möglich z.B. bei Patienten mit zusätzlicher Lähmung der Gesichtsmuskulatur.

Die Verarbeitung, die Kontrolle und der Transport der Nahrung aus der Mundhöhle in den Rachen sowie die Auslösung des Schluckreflexes sind verzögert bei schlechter Zungenbeweglichkeit, Schwäche der Wangenmuskulatur oder gestörter Empfindsamkeit der Schleimhaut. Als Begleitsymptome der Schluckstörungen können außerdem Heiserkeit oder eine näselnde Sprache auftreten. Im Weiteren Verlauf kommt es meist auch zu sozialer Isolation wegen Peinlichkeit beim Essen (Nahrungsaustritt aus Mund und Nase oder ständiges Verschlucken).

Es gibt in jeder Schluckphase (präoral, oral, pharyngeal und ösophageal) therapeutische Interventionsmöglichkeiten durch die Sprach- und Schlucktherapie. Ziele sind zunächst die Wiederherstellung der intraoralen Sensibilität und der Aufbau der Schutzreflexe z.B Würgereflex. Das Spektrum reicht von motorischen Übungen einzelner Muskelpartien, Massagen, thermischer Stimulation über Veränderungen der Körperhaltung beim Essen (z. B. durch Änderung der Kopfposition) bis zu Veränderungen der Nahrungskonsistenzen (z. B. Pürrieren der Speisen oder Andicken von Flüssigkeiten). Vorübergehend muss der Patient meist mittels Magensonde oder intravenös ernährt werden.

Der ungestörte Schluckvorgang ermöglicht die neben lebenserhaltender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme auch das Erleben von Genuss und Wohlbefinden. Daher bedürfen Schluckstörungen immer einer genaueren Abklärung. Dazu sollte neben einer klinischen Abklärung mit Mundinspektion, Prüfung der Beweglichkeit im Rachenraum oder der Überprüfung der Reflexe auch eine psychosomatische Abklärung in Betrachtung gezogen werden, sofern die Beschwerden nicht anders einwandfrei erklärt werden können.