Einleitung

Technik ist ein längst nicht mehr wegzudenkender Bestandteil in allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Dabei macht insbesondere Technik auch deutlich, dass Behinderung kein individuelles Problem darstellt, sondern ungeeignete Bedingungen es sind, die einen Menschen mit Handicap behindern. Wer heute ertaubt, kann mittels vielfältiger technischer Entwicklungen trotz aller Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Beredtes Zeugnis dafür sind die alljährlichen überregionalen Treffen, Seminare u.a. der NF2-Selbsthilfegruppe, die z.T. vollständig
ohne Beteiligung Hörender organisiert und durchgeführt werden.

Ohne Internet wäre das noch undenkbar gewesen, Taubheit schloss scheinbar per se von weiten Teilen des gesellschaftlichen Lebens aus – nicht wegen bestehender Barrieren, sondern allein aufgrund der ‚Behinderung’ der Betroffenen.

Umgekehrt sind es vor allem aber auch die heutigen medizinischen und technischen Möglichkeiten, die uns bisweilen glauben machen, die Beseitigung gesundheitlicher Einschränkungen sei nur eine Frage der Zeit, medizinischer und technischer Fortschritt allmächtig. Dass dies keineswegs so ist, lehrt die Betroffenen ihr alltägliches Leben.

Smartphones als Hilfe für Hörgeschädigte   

(Frederik Suter)

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Aus dem schlichten Handy, mit dem man telefonieren, SMS senden und empfangen kann und allenfalls Fotos schießen konnte, hat sich das heutige Smartphone entwickelt.

Ein Smartphone ist so etwas wie ein Computer, oftmals kann es sogar noch viel mehr: Durch die verschiedenen App-Stores kann man sich zu jedem erdenklichen Thema ein App (ein Programm) holen, mit der dann viele weitere Möglichkeiten eröffnet werden.

Wie bei Computern gibt es bei ihnen Hard- und Software: Die Hardware dieser Telefone kann von Herstellern wie Samsung, Apple, LG, Nokia etc. sein.

Diese Geräte, die meist per Touchscreen (mit Finger oder Stift) betätigt werden, haben unterschiedliche Betriebssysteme, wie zum Beispiel das Android von Google, das iOS von Apple beim iPhone oder Windows mobile. Im Grunde genommen funktionieren alle sehr ähnlich. Wichtig dabei ist, dass es Internetzugang hat, dafür braucht man einen Datentarif, der oftmals schon für ca. 10 Euro/Monat zu haben ist.

Aber mal langsam: Was kann denn ein Smartphone?

Gerade weil jeder Mensch eigene Bedürfnisse hat, lässt sich schwer sagen, welches nun gute oder schlechte Apps sind, das muss jeder selbst entscheiden und so sein Gerät personalisieren. Dennoch gibt es unzählige Apps, die besonders für NF2 Betroffene interessant sein könnten. Wer in den Stores stöbern will, kann dies zwar mit seinem Smartphone tun, doch auch im Internet am PC kann man schon mal einen Blick hineinwerfen: http://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_App


Kommen wir nun zur Auflistung einiger hilfreicher Apps besonders für uns Hörgeschädigte.

Spracherkennung-Apps:

 

Keine Frage, verlässliche Spracherkennung ist im Kommen. Ob sie schon alltagstauglich ist, muss jeder für sich entscheiden. Doch schon jetzt gibt es Apps, welche sehr hilfreich in der Kommunikation sind. Das funktioniert so ähnlich wie Lippenablesen: Nicht alles wird genau  verstanden, aber mit ein bisschen Kombinationsgeschick kann man die verstandenen Worte ergänzen und so die Kommunikation unterstützen. Das viele nicht so recht mit ihr zufrieden sind, liegt zum einen an der Erwartungshaltung, zum andern an der Situation: Spracherkennungsapps sind von manchen Bedingungen abhängig. Hat man beispielsweise keine gute Internetverbindung, so sackt deren Leistung ab oder man verbringt die Zeit mit „laden“. Wenn der Sprecher Dialekt spricht oder nuschelt, sinkt die Trefferquote. Schlecht ist auch eine starke Gesichtslähmung.

 

Spracherkennung wird normalerweise zum Einsprechen (statt schreiben), also Diktieren von Text genutzt.

 

Spracherkennung kann für uns aber möglicherweise hilfreich sein, wenn wir mit anderen zu kommunizieren versuchen.

 

Oft kritisch beäugt da nicht 100% perfekt und daher schnell als Mist verurteilt, bleibt die App häufig ungenutzt installiert. So nehmen wir uns selbst die Chance, Kommunikation wieder einfacher zu gestalten. Sicherlich ist es oft sinnvoller zu Stift und Zettel zu greifen, dennoch ist es hilfreich solche Apps mal etwas länger auszuprobieren. Dabei ist es ratsam, den Gegenüber darauf hinzuweisen, dass er doch bitte deutlich spreche, vorausgesetzt es besteht eine gute Internetverbindung.

 

Nun gut, werden wir konkret: Welche Apps gibt es da?

 

Marktführer ist die Firma Nuance, sie bieten Apps für jede Plattform: Dragon dictation für iPhone, iOS: klick hier

 

FlexT9, Android App: der Knopf für die Aufnahme ist direkt ins Keyboard integriert, so dass überall wo Texteingabe genutzt wird, auch diktiert werden kann. klick hier

 

Dragon for E-Mail, Blackberry: klick hier

 

Spracherkennung

 

 

Nuance bekommt im Moment starke Konkurrenz von Google, das seine Spracherkennungssoftware standardmäßig auf jedem Android-Smartphone mitliefert. Der Vorteil dabei ist, dass live beim Diktieren Wort für Wort auf dem Bildschirm erscheint (ab Android 4.1). Bei den Apps von Nuance wird zunächst der Sprecher aufgenommen bis er fertig mit Sprechen ist und dann das Gesprochene in Text umgewandelt, was ein paar Sekunden länger dauert (je nach Verbindung) aber sehr akkurat sein kann.

 

Beim iOS des iPhone und bei Android ist dieses Mikrofon-Symbol auf der Tastatur zu finden. Ein Klick darauf führt zum Aufnehmen.

 

Vibrationsmuster-App:

 

Verpasst du auch immer SMS, weil die Vibration der Handys heutzutage zu schwach ist? Moment, dafür gibt es natürlich eine App, bzw. mehrere. Gezeigt wird hier als Beispiel eine Android-App mit der man bestimmte Vibrationsmuster eingeben kann. Somit verpasst man nichts mehr, solange das Telefon am Körper getragen wird.

 

Smart Vibrator: klick hier

 

Messaging App:

WhatsApp

Mittlerweile sehr beliebt ist WhatsApp: Nach Installation der Apps generiert diese automatisch eine Kontaktliste gemäß des Telefonbuchs deines Handys. Das heißt, jeder der WhatsApp installiert hat, wird angezeigt und das sind einige! Das Prinzip ist eine Mischung aus SMS und Messenger: Spricht man einen beliebigen Kontakt an, so wird dieser sofort benachrichtigt, sofern sein Handy eingeschaltet ist. Zwei Häkchen neben der Nachricht signalisieren, dass sie gelesen wurde. So kann man sich quasi in Echtzeit SMS schreiben bzw. chatten. Die App kostet 89 Cent pro Jahr. Diese App gibt es für alle möglichen Plattformen.klick hier

 

Gebärden-Apps:

Das Stichwort „DGS“ oder „Fingeralphabet“ sollte im jeweiligen App-Store alles Mögliche zum Thema ausspucken. Sehr praktisch ist die kostenlose internationale App spreadthesign. Ein Lexikon quasi, aber nicht nur für Deutsche Gebärdensprache. Von Japanischer Gebärdensprache bis Französischer ist alles Mögliche an Bord. Sehr hilfreich, wenn man sich fragt „wie war nochmal die Gebärde für xy“, oder eben einfach zum Lernen. www.spreadthesign.com

Dazu gib es auch das Gebärden Lexikon von Kestner, momentan nur auf dem iPhone erhältlich. An einer Android Version wird gearbeitet: klick hier

Liederkennung:

Was ist denn das? Genau, dein Handy hört für dich. Nämlich das Lied was gerade läuft. Nach Betätigen eines Aufnahmebuttons hört es einen kurzen Ausschnitt und sagt dir dann inklusive aller möglicher Informationen (z.B. Interpret, Titel, Album usw.), um was es sich gerade handelt. Manchmal sogar mit dem Liedtext, also quasi wie Karaoke. Beispiele für Apps sind Soundhound oder Shazam.klick hier

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt lässt sich der Dienst von VerbaVoice nun auch mobil nutzen. Das geht dann natürlich per App, also einfach im Store nach „VerbaVoice“ suchen.

 

Stichwortsuchen in den Stores führen zu solchen Apps, generell gilt: Probier‘s aus!
 
Für weitere Informationen: wikipedia-Artikel

 

Spracherkennung am PC

Heutzutage ist es möglich seinen PC per Sprachbefehle zu steuern und so insbesondere Texte zu diktieren. Aber auch für die Kommunikation kann sie hilfreich sein. Nachteil gegenüber der mobilen Spracherkennung ist, dass erst ein wenig die Stimme des Sprechers trainiert werden sollte. Jedem Sprecher wird so ein Profil erstellt und somit eine hohe Genauigkeit erreicht. Ein weiterer Nachteil ist die Erkennung bei einer Stimmbandlähmung, trotzdem kann noch etwas verstanden werden. Auch hier gilt: Ausprobieren! Aktuell ist Dragon Naturally Speaking 12 verfügbar, Kostenpunkt der deutschen Version ist ca. 90 €, oftmals übernimmt der Arbeitgeber die Kosten.

"Digitale Zaubertafel": Boogie Board:

Ein Boogie Board dient der schriftlichen Kommunikation

Mit diesem “Notizblock” heißt es: Nie wieder Stift und Papier, gleichzeitig wird etwas der Umwelt zuliebe getan: Mit einem Druck auf den „Löschknopf“ verschwindet das geschriebene Text wie von Zauberhand. Betrieben wird das Gerät von einer Uhrbatterie und hält somit ewig.
Manche benutzen vielleicht eine Zaubertafel, das Prinzip ist ähnlich, das Löschen geschieht stattdessen digital. Auf die Tafel kann mit einem mitgelieferten Stift geschrieben werden, aber auch mit Finger oder allem Möglichen. In der einfachen Version hat die Tafel 8,5“, die Schrift ist grau auf schwarzem Untergrund. Die größeren Boards haben noch einen Speicherknopf und andere Funktionen, kosten dann aber auch mehr.

Zur Herstellerwebseite 

Bei Amazon kaufen

eBook Reader

altEbooks sind Bücher in digitaler Form. Sie besitzen gewöhnlich ein Display mit einer Diagonale zwischen 5 und 10 Zoll, welches meist mit einer sehr kontrastreichen Anzeigetechnik ausgestattet ist. Es ist ein besonders gut lesbares Schriftbild auch bei Sonneneinstrahlung.

Vorteile für NF2 Betroffene: Viele Nf2 Betroffen sind auch im Sehen eingeschränkt, darum ist eins der Hauptargumente für den Kauf, die Möglichkeit Schrift zu vergrößern. E-Books können auch auf PC/Laptop
oder Tablet und Smartphone mit bestimmten Apps gelesen werden.

Für weitere Informationen; wikipedia-Artikel

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