Wieder selbst telefonieren

Wieder selbst telefonieren: Der Telefon-Dolmetschdienst Tess

Das Telefonieren war noch vor wenigen Jahren für schwer Hörgeschädigte unmöglich – das war eine große Hürde. Man musste immer einen Mitmenschen bitten anzurufen und wusste anschließend nicht genau, was gesprochen worden war.

Seit 2006 gibt es den Telefondolmetschdienst Tess, der Hörgeschädigten das Telefonieren ermöglicht. Es sind eigentlich zwei Dienste: TeSign für die (von Geburt) Gehörlosen, hier wird in Gebärdensprache übersetzt. Und TeScript für die Ertaubten und stark Schwerhörigen, hier wird das Gesagte verschriftlicht.

Da Tess unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfe arbeitet, sind der hohe Standard der Dolmetscher und ihre Verschwiegenheit garantiert. Die Finanzierung der Dienste ist langfristig durch einen gesetzlichen Auftrag gesichert.

Und wie funktioniert es?

Der ganze Anruf wird über das Internet abgewickelt, daher braucht man einen schnellen Internet-Anschluss. Dann kann man sich auf der Homepage von Tess anmelden. Dort wird genau beschrieben, wie man vorgehen muss, Wer es allein nicht schafft: Das sehr nette und geduldige Support-Team von Tess hilft bei allen technischen Problemen bei der Installation und im Betrieb.

Zu den Kosten: Tess kostet (bei ausschließlich privater Nutzung) monatlich 5 Euro Grundgebühr plus Gesprächsgebühren in Höhe von 0,28 Euro/Minute. Bei beruflicher Nutzung sind die Gebühren etwas höher, werden aber bei Bedarf vom Integrationsamt bzw. dem Arbeitgeber getragen.

Tess-Kunden können auch von Guthörenden angerufen werden. Hierzu muss der hörgeschädigte Kunde online sein, der hörende Anrufer wählt die Servicenummer von TeScript 01805-837788 und sagt, wen es sprechen möchte. Kosten für die Anrufer aus dem Festnetz 0,14 Euro.

Tess bietet seine Dienste an allen Tagen der Woche von 8 bis 23 Uhr an. Manchmal muss man auf einen freien Dolmetscher ein bisschen warten, meistens klappt es sofort. Möglich sind alle Arten von Telefonaten, von der Terminvereinbarung bis zu Liebesschwüren.

Nicht möglich ist es, Tess zum „Ferndolmetschen“ zu nutzen, wenn beide Gesprächspartner sich in einem Raum aufhalten (wie beim Arztgespräch in der Praxis). Hierzu siehe das Angebot von VerbaVoice.

Seit einiger Zeit ist es für Hörgeschädigte mit guter Sprechkompetenz möglich, selbst mit dem Angerufenen zu sprechen. Das heißt bei TeScript „Voice carry over“ oder kurz VCO. Man benötigt ein Headset (Kopfhörer und Mikrofon) und muss bei Gesprächsbeginn VCO anmelden. Man spricht dann ins Mikro und bekommt die Antwort auf dem Bildschirm. Das Tempo bei solchen Gesprächen ist wie bei Anrufen zwischen Guthörenden, da die Schriftmittler bei TeScript sehr schnell tippen können.

Und als „Sahnehäubchen“ kann man Tess bald auch mit Mobiltelefon nutzen! Bei TeSign (Gebärdensprachdolmetschung) ist es schon möglich, für TeScript (Schriftmittlung) ist eine technische Lösung für Smartertaubtephones und iPad in Vorbereitung.

 

Hilfe, ich habe einen Herzinfarkt! Wo bleibt der Krankenwagen - ein neues Zeitalter für den Notruf (Bericht von www.taubenschlag.de)

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Der Notruf ist für Gehörlose und Schwerhörige in Europa und Amerika gleichermaßen ein leidiges Thema - wenn wir überhaupt eingeschränkten Zugang haben, dann nur durch veraltete Methoden wie Schreibtelefon und Fax. Hörende können innerhalb von Sekunden eine Antwort erwarten, wenn sie 112 wählen. Wir dagegen müssen nach wie vor wertvolle Zeit damit vertändeln, ein verstaubtes Faxgerät hervorzukramen und dann hoffen und beten, dass die 112-Leitstelle mit unserem Anruf überhaupt klar kommt. Ganz davon zu schweigen, dass Schreibtelefone und Faxgeräte nicht auf digitalen Telefonnetzen funktionieren. Also mal hoffen, dass es mit dem Herzinfarkt doch nicht so schlimm ist?

 

 

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