Das Recht auf Dolmetschen

 

In vielen Situationen müssen Hörgeschädigte mit (fremden) Hörenden kommunizieren. Wenn sie zum Arzt gehen, zu Ämtern und anderen staatlichen Stellen müssen, oder auch bei der Arbeit oder der Ausbildung zusammen mit Hörenden.

Hörgeschädigte haben in diesen Situationen einen Rechtsanspruch darauf, das Gesagte sofort selbst zu verstehen

Bei (von Geburt an) Gehörlosen, die meist die Lautsprache nicht gut beherrschen, wird das in der Regel durch einen Gebärdensprachdolmetscher sichergestellt.

Bei Ertaubten (die meist die Gebärdensprache nicht gut beherrschen) können professionelle Schriftmittler eingesetzt werden, es kann aber in manchen Fällen (z.B. in Ämtern) auch selbst geschrieben werden. Wenn Ertaubte Gebärden beherrschen, können sie auch Gebärdendolmetscher etwa zum Arzt mitnehmen.

→ Staatliche Stellen und Ämter

Für staatliche Stellen (Polizei, Behörden, Sozialberatung) gilt, dass die Behörde für die Informationsübermittlung sorgen muss.
Je nach persönlichen Bedürfnissen der Hörgeschädigten kann das ein Gebärdensprachdolmetscher sicher stellen; bei Ertaubten wird meist geschrieben, selbst einen Dolmetscher mitbringen darf der Hörgeschädigte nicht (außer er bezahlt ihn selbst).

Wer einen hörenden Angehörigen mitnimmt, darf sich nicht wundern, wenn alles an ihm vorbei geht. Es hängt davon ab, wie wichtig es dem Hörgeschädigten ist, selbst zu verstehen.

→ Gesundheitsbereich

Bei Arztbesuchen ist die Sache anders. Hier haben Hörgeschädigte ein Recht, ihren Dolmetscher mitzubringen, die Krankenkasse muss es bezahlen. Dafür muss der Betroffene einmal am Anfang einen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Bei vollständig Ertaubten ist das nur eine Formalität, bei an Taubheit grenzend Schwerhörigen kann es länger dauern.
Wenn dieser Antrag genehmigt ist (Ertaubte haben darauf ein Recht!), muss sich der Hörgeschädigte für jeden Arztbesuch selbst einen für ihn passenden Dolmetscher suchen und ihn buchen.
Es ist weniger kompliziert als es sich liest, die Dolmetscher bringen alles mit, die Vermittlungsstellen helfen.

Ein großes Problem sind Visiten im Krankenhaus. Im Grunde gilt auch hier das Recht auf Dolmetscher, aber die Krankenkassen finanzieren es nicht und die Krankenhäuser auch nicht. Es wäre auch schwer zu realisieren, denn die Visiten haben keine festen Termine.
Aber auch hier muss man darauf bestehen, dass man alles versteht, es muss geschrieben werden.

→ Arbeitsleben

Im Arbeitsleben haben schwerst Hörgeschädigte einen Rechtsanspruch auf die Finanzierung von Dolmetschern (Gebärden- oder Schreibdolmetschern), wenn sie für ihre Arbeit kommunizieren müssen. Zum Beispiel bei Teambesprechungen oder Außenterminen.
Der Arbeitgeber muss beim Integrationsamt den Antrag stellen, entweder für einzelne Dolmetschtermine (z.B. Schulungen), oder aber auf ein persönliches Budget, das der Hörgeschädigte selbst verwalten kann. Das Budget muss in einem Verhältnis zum Einkommen stehen und der Hörgeschädigte muss eine wöchentliche Mindeststundenzahl von 15 Stunden arbeiten.

→ Berufsausbildung und Studium

In der Berufsausbildung, bei Bewerbungsgesprächen und bei der Arbeitsberatung bezahlt das Integrationsamt die für den Hörgeschädigten passenden Dolmetscher.

Im Studium gilt ebenfalls ein Rechtsanspruch auf Dolmetschung der eigenen Wahl. Dabei gibt es keine Einschränkung in der Wahl des Studienfachs oder der Hochschule – theoretisch.
Es ist jedoch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich organisiert, am besten man informiert sich vorher beim Behindertenbeauftragten der jeweiligen Hochschule. Und auch bei der BHSA, der Organisation der hörgeschädigten Studenten und Absolventen

→ Kultur und Gesellschaft

Zunehmend werden auch bei Stadtführungen, Ausstellungen und anderen kulturellen Events besondere Führungen für Hörgeschädigte mit Gebärdensprachdolmetschern angeboten.

Auch Veranstaltungen werden immer öfter auch Hörgeschädigten zugänglich gemacht durch Gebärdendolmetschung oder Schriftmittler.