Meningeom

 

Meningeome (von lat. Meninx = die Hirnhaut)  sind meist langsam wachsende, gutartige Tumore, die von den Hirnhäuten des zentralen Nervensystems (ZNS) ausgehen. Die Hirnhäute überziehen wie Schutzhüllen das Rückenmark und das Gehirn ("weiche und harte Hirnhäute"). Von einer der weichen Häute, der Spinngewebshaut (lat. Arachnoidea), gehen Zotten aus. Sie enthalten die Zellen, aus denen Meningeome entstehen können. Diese Zellen vermehren sich, wenn im Zellkern eine Information verändert wird, die normalerweise eine Wachstumshemmung signalisiert. Dann können Meningeome, die meist von einer Kapsel umgeben sind, langsam wachsen und das benachbarte Hirngewebe stark verdrängen. In den meisten Fällen "respektiert" das Meningeom die Grenze zum Gehirn und infiltriert dieses nicht. Bisweilen können Meningeome verkalken oder andererseits in die Hirnhaut einwachsen und diese zerstören. Gleichzeitig beobachtet man in vielen Fällen eine begleitende Verbreiterung des darüber liegenden Knochens.

Da diese Tumoren in der Regel gutartig sind und langsam wachsen, entwickeln nicht alle Erkrankten Krankheitssymptome und wenn, dann oft erst nach einigen Jahren. Das Meningeom ist deshalb häufig ein Zufallsbefund, der in bildgebenden Verfahren (CT, MRT) anlässlich anderer Untersuchungen diagnostiziert wurde (wegen Kopfschmerzen, Schwindel etc.). Behandelt werden sollten daher auch nur die symptomatischen Tumoren. Neben einzeln wachsenden Tumoren können auch mehrere Herde vorhanden sein (sog. Meningeomatose).

Am Häufigsten wachsen Meningeome an der Gehirnoberfläche im Schädelinneren (intracraniell). Sie sind in diesem Fall therapeutisch nicht problematisch. Im Bereich der Schädelbasis (und des Kleinhirnbrückenwinkels) oft in den Knochen oder Nerven wachsende Meningeome (s. Abb. X, X1) sind in ihrer Behandlung schwieriger.

Meningeome im Bereich der Hemisphären der Großhirnrinde zeigen oft spät Symptome. Spezifische Symptome für ein Meningeom gibt es dabei nicht. Vielmehr werden Krankheitssymptome in erster Linie durch die Lokalisation des Tumors bestimmt. So kann ein Konvexitätsmeningeom, welches im Bereich des Bewegungszentrums für Arme und Beine liegt, eine Halbseitenlähmung auslösen.

Am häufigsten sind Kopfschmerzen, epileptische Anfälle (Epilepsie), Einschränkungen des Sehfeldes oder Sprachstörungen (Dysphasie). Manchmal fallen die Betroffenen auch durch eine Änderung der Persönlichkeit auf. Gerade bei älteren Patienten kann dies mit einer Art Demenz (z. B. Alzheimer) oder Depression verwechselt werden. Liegt der Tumor der Schädelkalotte an, kann es als Folge der Tumorinfiltration des Knochens zu Hyperostose) und somit zu einer sichtbaren "Beule" kommen. Bei einem Tumorwachstum im Bereich des Hirnstamms, kommt es wegen der engen räumlichen Verhältnisse schneller zu einer Bedrängung wichtiger Hirnstrukturen.

Auch im  Rückenmarkskanal können Meningeome auftreten (spinale Tumoren). Auch hier sind meist durch das langsame verdrängende Wachstum anfangs wenige Symptome vorhanden, ergeben sich später erst aus der Kompression einzelner Nervenwurzeln oder des Rückenmarks und sind daher abhängig von der Höhenlokalisation. Die Spanne reicht von Beeinträchtigung der Sensibilität oder Beweglichkeit der Extremitäten bis zu Lähmungen oder Störungen der Blasen- oder Darmentleerung. Die Symptome ähneln in manchen Fällen einer Querschnittssymptomatik (cervikale oder thorakale Meningeome) oder Bandscheibenvorfall-ähnlichen Symptomen (lumbale Meningeome). Liegen die spinalen Meningeome vor dem Rückenmark (ventral), so ist die Entfernung sehr schwierig und ein komplettes Entfernen des Tumoransatzes an der Rückenmarkshaut nicht in allen Fällen möglich.

Im Kernspintomogramm (MRT) zeigen Meningeome nur geringe Unterschiede im Signalverhalten zum Rückenmark. Erst nach Gabe von Kontrastmittel zeigen sie typischerweise eine homogene, starke Signalerhöhung. Meningeome erscheinen manchmal gegenüber Neurinomen homogener und sitzen der Dura breitbasiger auf.

Ein Einfluss hormonaler Faktoren (v. a. der Geschlechtshormone) wird kontrovers diskutiert. Die Bevorzugung des weiblichen Geschlechts oder/und die bisweilen beobachtete Wachstumsbeschleunigung während der Schwangerschaft weisen eher darauf hin. Auch eine zuvor durchgeführte Bestrahlung scheint die spätere Entstehung von Meningeomen zu begünstigen.