Messung der Nervenleitgeschwindigkeit

Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)

Die Leitung von Impulsen vom Nervensystem zu den Muskeln erfolgt über die so genannten peripheren Nerven, die auf dem Weg vom Rückenmark für die Bewegung der Muskulatur und auf dem „Rückweg“ von Haut, Stütz- und Bewegungsapparat sowie inneren Organen für die Leitung von Sensibilität, Schmerz, Druck- und Lagesinn verantwortlich sind. Jeder dieser Nerven hat eine bestimmte Nervenleitgeschwindigkeit, die mit Hilfe der Elektroneurographie gemessen werden kann.

Zur Messung der motorischen Nervenleitgeschwindigkeit wird der zu untersuchende Nerv künstlich elektrisch gereizt und der Reizerfolg am zugehörigen Muskel gemessen.

Auf der Abbildung sehen Sie die Messung der motorischen Leitungsgeschwindigkeit des Nervus medianus am rechten Arm. (aus Heinz-Walter Delank, Walter Gelen: Neurologie, 11.Auflage, Thieme, Stuttgart 2006)

Hierzu sticht der Arzt entweder eine hauchdünne Nadel-Elektrode direkt in den Muskel des Patienten oder er klebt eine Elektrode auf die Haut auf. Über Verstärker wird die Summenaktivität der Muskelfasern im Inneren eines Muskels abgeleitet. Gemessen wird die Zeit, die zwischen Nervenreizung und Reaktion (Kontraktion) des dazugehörigen Muskels vergeht. Durch die Laufzeit- und Amplitudendifferenz in den Antwortpotenzialen (Muskelsummenpotenziale) nach Reizung des Nerven an zwei unterschiedlichen Stellen (z.B. des Nervus Medianus am Handgelenk und am Ellenbogen wie in Abb X) kann man Rückschlüsse auf eine Schädigung des gemessenen Nerven ziehen.

Auf der Abbildung ist die Sensible elektrische Leitfähigkeit bei einem Patienten mit Leitungsblock zwischen der oberen (proximalen) Reizstelle am Ellenbogen (A1) und der unteren (distalen) Reizstelle am Handgelenk (A2) bei antidromer Messung dargestellt.

Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird durchgeführt bei:

  • Gefühlsstörungen / Taubheit an Händen oder Beinen
  • Kraftverlust der Arme und/oder Beine
  • Schmerzen an Händen oder Beinen

Die NLG dient:

  • dem Nachweis / Ausschluss von Nervenläsionen (axonale oder eine demyelinisierende Schädigung)
  • der Differenzierung von Polyneuropathien (generalisierte Erkrankung des peripheren Nervensystems, z. B. diabetische Polyneuopathie)